167 Warum Rilke und Kaschnitz nur bedingt empfehlenswert sind

167 Warum Rilke und Kaschnitz nur bedingt empfehlenswert sind

München, April 2021.

Manchmal tanzt die Neugierde vor mir her und verleitet mich zu Utopien; es war Zufall, der mich auf Ihre Webseite führte, Zufall oder eher Kinderei.

Ich erwarte hierauf keine Antwort, aber bitte lassen Sie mich schreiben. Nur im Schreiben wahrhaftig und frei, nur im Schreiben ganz man selbst. Es ist dann ein anderer, von niemandem gekannt, und dabei doch das echte. Ich hätte gerne einmal davon gesprochen, wie es ist, wenn das Schreiben über einen kommt, von den Tiefen, in welche man vorstößt, nur um sich nach dem Auftauchen – dem Abklingen der Emotionen – dafür zu schämen.

Kennen Sie Rilkes Zoo- Panther? „ Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe/ und hinter tausend Stäben keine Welt. “

Sobald ich die Homepage näher betrachtete, die Schrifttype, die Inhalte, das Layout, die grafischen Illustrationen, da war es wirklich das Seminar, das mich ansprach, dessentwegen ich die Mail lossandte.

Aber es ändert nichts an der ursprünglichen Absicht; heißen Sie nur gleich oder sind Sie es auch?, und somit habe ich mich verraten, denn durch Herumschnüffeln bin ich auf die Webseite des Psychologen mit dem Schwerpunkt auf Kommunikation gestoßen, der den gleichen Namen trägt wie der Schauspieler. Ach, auch der Schauspieler kümmert mich nicht, es war ja doch eben ein Mann, einer, dessen Lachen mir so gut gefallen hatte auf der Straße. Ich hätte es gerne gesagt: Sie lachen so schön, bloß tut man das nicht, der Befangenheit oder des Anstandes wegen. Man drängt sich ja nicht auf – und nun dränge ich mich hier auf.

Kaum dem Kindsein entwachsen, verfaßte ich solcherlei Texte. Sie landeten in der Schublade, auf dem Müll, im Tagebuch, wurden in Erzählungen verbaut oder in einen Blog eingeflochten. Häufig auch flatterten sie irgendwie zu ihrem Adressaten, nie direkt; mal unter den Scheibenwischer des Autos geklemmt, mal im Vorbeigehen auf den Bürotisch geschnippt, in der Flughafenhektik beim Abschied rasch zugesteckt, als Brief verschickt oder Mail. Und nie hat diese bizarre Form der Kommunikation ihren Zweck erfüllt: mich einem Menschen näher bringen oder mich verständlich machen, sondern hat Befremden ausgelöst und Irritation. Vielleicht weil es gar nicht Kommunikation sein will, sondern Literatur?

Worte anderer können mir auf der Zunge zergehen wie Schokoladentrüffel, können mich für immer verändern.

Ich wollte Sie nicht belästigen oder unangenehm berühren. Ich hätte es spannend gefunden, zu erfahren, wie das Seminar konzipiert ist, wohin es einen führt, ob es mir zwischenmenschlich oder kreativ oder beides weitergeholfen hätte.

Zwei Personen des gleichen Namens oder ein Name unter verschiedenen Berufen. Egal. Ein Lachen an einem sonnenfrohen Tag, der München italienisch färbte. Verzeihen Sie meine schriftstellerischen Launen und enden wir endlich mit Kaschnitz´ Nicht gesagt:

„ Aber wer bin ich daß “

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