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320 Bumerang

München, Juli 2026. Ich habe noch nie einen Bumerang geworfen, stelle es mir aber ähnlich vor: ich habe den Blog weit ins Leere hinausgeschleudert, nicht ahnend, daß er zurückkehren würde auf zwiespältige, absolut unbeabsichtigte Weise: er wird gelesen. Warum veröffentlicht man einen Blog, wenn man gar nicht gelesen werden möchte? Um nicht verrückt zu werden.…
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319 Kleines Glück

München, Juli 2026. Hitzewarnung; wie ein Fön auf höchster Stufe bläst mich der Fahrtwind an. Ich strample und trete, bevorzuge die schweren Gänge, will mich spüren, mich anstrengen. Der Schweiß rinnt mir überall herab, die Arme, Handgelenke glänzen naß, die Uhr reflektiert berstend. Das gleißende Licht wird durch die Sonnenbrille gefiltert, ein Cap verhindert den…
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318 Dorf 21. Jahrhundert, Teil II

München, Juni 2026. Zu erzählen – schreiben – hätte ich genug. Ganz entfernt entsinne ich mich, daß es einmal, ursprünglich, um Stille ging, um den Raum zwischen der Stille, wo es tief, ruhig und anregend zugleich ist, friedlich und energiegeladen, dort, wo Dinge entstehen, neue Ideen, Projekte, Taten und im Idealfall: ein intellektuelles Miteinander. Nun…
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317 Dorf 21. Jahrhundert, Teil I

München, Mai 2026. Manchmal muß ich auf der Autobahn mit 230 Sachen rasen, um das Gefühl zu haben, von der Stelle zu kommen, vom Fleck weg. Ich fühle mich umfänglich festgeklebt, eingesperrt in Routinen und gesellschaftliche Zwänge, familiäre Erwartungen, ersticke am Stumpfsinn, am ewigen Einerlei. Den anderen, das andere als langweilig zu erleben, sei eine…
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316 Festmahl mit Drachen

München, Mai 2026. Ein kleiner abstrakter Drache grinst mich an, eines von drei Maskottchen des Lokals. Dasjenige auf meinem Tisch gefällt mir am besten, weißes Biskuitporzellan, ein Fantasiewesen streng formal, asiatisch-distinguiert mit einem Hauch Augenzwinkern, gefertigt in Nymphenburg. „Wo hast du die Blumen gelassen?“ flüstere ich ihm zu, freilich nur in Gedanken. „Aufgefressen?“ Er antwortet…
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315 Ungefragte Leihgabe

München, Mai 2026.   Bleib nicht an dem Ort, wo niemand sieht wieviel schöner du bist.                          (Bleiben, von Max Prosa)   Es ist eines der ersten Gedichte im bezaubernd illustrierten Band „Wildwuchs“, Zeilen für die Haut. Die Schädlichkeit der Tattoofarbe hält mich ab (Vernunft, Vernunft, du nervest mich), der geeignete Platz: nicht jeder sollte…
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314 Das Tanzbein schwingen

München, April 2026. In den omanischen Wahiba Sands, als Einheimische einen Säbelreigen ums nächtliche Lagerfeuer aufführten, meinte ein Mitreisender ganz selbstverständlich an mich gewandt, daß ich doch gewiß auch eine hervorragende Tänzerin sei. Die Fehleinschätzung hätte lediglich größer sein können, indem man mir ein Gesangstalent angedichtet hätte; in der Regel treffe ich nicht einen einzigen…
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313 Vespa Vibes

München, April 2026. Da werden die Nachbarn aber staunen!, dachte ich schmunzelnd bei mir, während ich meinen Tagtraum immer mehr ausschmückte. Ich saß in einem Meer zitronener, cremeweißer, puder-apricotfarbener Narzissen, über die gelegentlich ein Aurorafalter hinwegflügelte, ein Kohlweißling, Tagpfauenauge. Endlich sah man den Frühling schwellen, starrte voller Vorfreude auf Knospen der Mandel- und Zierkirschenblüte, der…
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312 Ein Lächeln für Montana

München, März 2026. Den Flughafen München kenne ich ja ganz gut mittlerweile; eigentlich hatte ich es mir angewöhnt, mich etwas schicker herzurichten, wenn ich mich dort aufhalte, es sei denn, es ging gerade ins Bergdschungelabenteuer. Auch meine Eltern sind reisefreudig, ich hole sie regelmäßig ab, wie auch an jenem Abend ein paar Jahre zuvor. Ausnahmsweise…
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311, Teil III: Anti-Heldin – schon wieder

Uganda, Februar 2026. Steckt man in einer Krise, verblasst sie nicht, indem man einen Flieger besteigt, mehrere tausend Kilometer zurücklegend, sich in einen Bus hockt, der einen über nervenaufreibend mühsame Rumpelstraßen an den Fuß eines Bergwaldes bringt. Nö. – Meine Krise besteht darin, daß viele kleine Einzelwahlen, durchaus freiwillig und in bester Absicht vorgenommen, in…
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