Autor: kunstfotografie

279, Teil IV: Fische und Gingkos

Japan, Oktober 2023. Keine Abenteuer, keine Dramen. Dafür Wohlbefinden, leise, jeden Winkel ausfüllende Zufriedenheit, unscheinbares Glück. Wer als Bauträger für Grün in der Megacity Tokyo sorgt, darf steuerfrei höhergeschossig planen; Innenhöfe voll gestaffelter Miniaturwälder, plätschernd-glucksende Kanäle entlang der Gehsteige, von Fassaden herabrankende Schlinggewächse, Lichterketten im Alleebaumgeäst, die abends in der warmen Milde goldensanft leuchten und…
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278 Einer der letzten Beiträge

  Dieses Objekt können Sie erwerben; letztes Jahr waren dafür etwa 1,8 Millionen Euro veranschlagt. Es ist mittlerweile richtig fesch geworden ohne die Kanister mit geheimnisvollen, auslaufenden Substanzen darin, ohne die sich stapelnden, vom Regen verfaulenden Bürostühle, Waschmaschinen, Gefrierschränke, kennzeichenfreien Autos. Sogar die Flaschen und Turnschuhe vom Dach sind verschwunden. Potential, absolut. Ruhig ist es…
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277, Teil III (Fortsetzung von 264): Ein Geschenk

Japan, Oktober 2023.   Es war, wie so oft in Japan, ein kleines Lokal, puppig, schlicht, warm gestaltet und erdend. Die Architekturtour des Tages war beendet, ich hatte stille Raffinesse und bauliche Innovation kennenlernen dürfen, kuratiert und erläutert von einer enthusiastischen jungen Führerin; eines Trinkgeldes statt hatte ich ihr vorgeschlagen, sie zu einem Sake einzuladen,…
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276, Teil IV: Tolpatsch

Comer See/ Italien, Mai 2024. Es existiert kein stringenter Uferweg um den See herum, den man als ausdauernder Spaziergänger nutzen könnte; immer wieder läuft man auf engen, stark befahrenen, sich windenden Straßen ohne Steig, oder wird man weggeführt vom Gewässer hoch Richtung Kuppe; dann wieder laden malerische, prunkhafte Promenaden zum Flanieren ein, locken Blauregen bestandene…
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275, Teil III: Und ab!

Comer See/ Italien, Mai 2024.   Ich kann das nicht. Ich kann nicht sitzen, wenn man schon so viel gesessen war; oder allenfalls ein wenig durch die Gegend gebummelt. Kann mich nicht in den Hotelgarten hocken auf den zweistündigen Aperitif vor einem zweistündigen Diner – nein, ich kann das nicht. Ich muß gehen, muß, muß.…
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274, Teil II: Der Einsatz

Comer See/ Italien, Mai 2024. Mit Rita, eine der Mitreisenden, verstand ich mich auf Anhieb, sie hatte mich bereits am Mailänder Flughafen sehr nett und offenherzig angesprochen. Wir teilten uns im folgenden die Abendtafel des Hotelrestaurans, saßen während der kurzen Busfahrten (die uns von Park zu Villa zu Bootsanlegestellen brachten) nebeneinander, erkundeten manche der Städtchen…
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273, Teil I: Gespenst vom Comer See

Comer See/ Italien, Mai 2024.   Ich habe einen Geist geküßt. – Habe ich das? Im Streit aufgebrochen, ohne zu ahnen, daß nach der Rückkehr weiterer Zwist von anderer Seite mich erwarten würde, sah ich die Schönheit der Gegend, von der alle anderen schwärmten noch vom Busfenster aus, zunächst nicht. Die erste innere Beteiligung bescherte…
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272 Berichtigung

München, April 2024. Satte, frühlingsgrüne Wiesen, von Lachen zerfurcht, in denen die Frösche quaken und die Enten; Wiesen, aus denen Grillen und Grashüpfer zirpen, melodisch, nicht pfeffrig, wie im Sommer, sondern heiter-singend; Wiesen, bestanden mit Schaumkraut, getupfte, zarte Polster in märchenhaftem Weiß. Wiesen, gesäumt von Traubenkirschendickichten, die honigsüß und milde stimmend die Luft parfümieren, Atemzug…
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271 Autogramm gefällig…?

München, April 2024.   Das Schöne an Saudade ist, daß es im Deutschen keine exakte Umschreibung dafür gibt. Man hat ein Gespür, ein Wissen darum – oder nicht. Saudade ist ein Lebensgefühl, es zeugt von Leidenschaft, Pathos, Romantik und dieser bittersüßen Zerrissenheit, zuweilen schmerzhaft bohrend; Saudade ist Teil des Fado, der aber auch etwas Keckes,…
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270 Licht

München, März 2024. Wenn man mir vor zwanzig Jahren, oder besser noch fünfundzwanzig Jahren, gesagt hätte, daß es so etwas wie PMDS gibt, mein Leben wäre – ohne jedwede Übertreibung – komplett anders verlaufen. Es ist keine Bitterkeit in den Worten, eher eine Nüchternheit, vermengt mit Erleichterung. Während einer halbstündigen Reportage, ich klebte mit offenem…
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