208 In einem anderen Leben
München, Juni 2022. In einem anderen Leben hat man mich lieb, so richtig lieb, ganz doll lieb, und es wird nicht mein Hund sein.
München, Juni 2022. In einem anderen Leben hat man mich lieb, so richtig lieb, ganz doll lieb, und es wird nicht mein Hund sein.
München, Mai 2022. Ich hatte ihr Fragen gestellt, war vertröstet worden auf die Unendlichkeit. Wie genau war das mit Ruppie, wo sah sie das Reh zum ersten Mal, wann entwickelte sich die enge Bindung? War es nicht ein verletztes Kitz gewesen, das sie aufgepäppelt hatte? Warum hast du deine achtzig Seiten lange Geschichte über euch…
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In den Versuch hinein, die mangelnden Kameratechnikkenntnisse in Einklang zu bringen mit den düster-schummrigen Lichtverhältnissen der pittoresken griechisch-orthodoxen Kirche irgendwo in Israel, wo schlanke Wachskerzen winzige Glutfackeln warfen, tröstlich in der Stille bescheidenen Gemäuers, sagte ein älterer Herr, der sich später als amerikanischer Tourist vorstellen sollte, unvermittelt: „You´ ve got an eye for beauty.“…
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München, Februar 2022. Ich werde gesellschaftlich geächtet und als radikal sowie asozial beschimpft, weil ich mich weigere, mir eine Substanz spritzen zu lassen, die gentechnisch verändert ist, mit Nanopartikeln angereichert (die die als Schutz vor Giftstoffen angelegte Bluthirnschranke überwinden können) und nicht einmal an Ratten in Langzeitstudien getestet worden. Ein herkömmlicher Impfstoff (d.h. ein…
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München, Januar 2022. – Entschleunigen, Me-Time, Self-Care, eine Wohnhöhle schaffen, reflektieren, neue Werte setzen, sich aktiv um die eigene Gesundheit kümmern und in Achtsamkeit üben, nachhaltige Konsumentscheidungen treffen, dies alles wird gesellschaftlich empfohlen, beinahe propagiert in Dauerschleife, zwei Jahre lang nun schon. Und die Leute sind beschäftigt – für den Rest gibt es Netflix.…
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Grafenwöhr, Dezember 2021. Das Elektroauto auf der Hügelkuppe mutete in dieser Gegend an wie ein vom Himmelszelt gestürztes, gestrandetes Raumschiff, völlig fehl, ein Science Fiction – Gruß. Die Altstadt hatte verlassen dagelegen, wörtlich, viele der Fachwerkhäuser waren – vielleicht aufgrund von Denkmalschutzauflagen – seit längerem verwaist, traurige Überbleibsel einer einst blühenden Vergangenheit; den wenigen Geschäften,…
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Italien, November 2021. Napoleon Bonaparte verdankte ich meinen venezianischen Garten. Königlich hieß er, was zumindest auf die Größe nicht zutraf, ein gußeiserner Laubengang, dicht bewachsen mit exotischen Ranken, darunter märchenhafte, rosa Trompetenblume, bildete das Rückrat der Anlage, flankiert von je einer weiteren breiten Allee, mehr war es nicht, brauchte es nicht. Auf dichtesten Raum hatte…
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Italien, November 2021. Grau in Grau standen die leergefegten Gassen, kein Vergleich zu den grell bunt gestrichenen Häusern Buranos, die in der Heiterkeit der Sonne gegiggelt und gelacht hatten, übertriebene Farben in Magenta, Lila, Krachblau, Neongrün, Schreigelb tragend, extreme Töne als Besuchermagnet, Touristen, die maschinelle Chinaspitze kauften für ein Butterbrot und glaubten, authentische italienische Handarbeit…
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Italien, November 2021. Ich kam meinem sportlichen Bedürfnis nach und eilte ein wenig durch die Viertel, bewußt ohne Kamera, nahm wahllos Wege und Gassen, hüpfte Brücken auf und nieder, bog streng ab – und prallte beinahe zusammen mit einer wuseligen Menge: Security, Crew-Mitglieder, Schaulustige hinter Absperrbändern, Damen in sandfarbenen Reiseköstümen aus der Zeit um 1890,…
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Italien, November 2021. Es klammerte sich eine dickfleischige Pflanze an die Uferumfassung, die gelbgrünen Blütentrauben sacht auf der Oberfläche treibend. Das Dodo füllte sich, Sonne blubberte über die verblichene Fassade, aus der ein zwergenhafter Balusterbalkon herauskragte. Bin ich nach Venedig gereist, völlig gegenstandslose Abstraktionen zu fotografieren, zersplitterte Farbspiegelungen, fragmentierte Graffitti? Darf ich es überhaupt fotografieren…
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